Reportage 

Wie eine Rolltreppe dem Narcos-Viertel einen Neuanfang schenkte

Die »Comuna 13« in Medellín war berüchtigt für blutige Bandenkriege. Dann baute die Stadt eine Riesen-Rolltreppe – seitdem hat sich vieles verbessert.

28. Oktober 2019  9 Minuten

Wie schräg aufeinandergestapelte Kartons schmiegen sich die Häuser der Comuna 13 »Comuna« – das bedeutet so viel wie Gemeinde oder Stadtviertel. Die »Comuna 13« ist eines von insgesamt 16 Stadtvierteln Medellíns, die sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts rund um die Hügel des Valle Aburrá gebildet haben. Ihr eigentlicher Name lautet »San Javier«. Sie ist bis heute eines der am dichtesten besiedelten Viertel Medellíns. an den steilen Hang. Die meisten sind aus rotem Klinker, andere weiß, blau oder rot verputzt. Dazwischen ein Wirrwarr aus Stromleitungen. Das einst gefährlichste Viertel der kolumbianischen Millionenstadt Medellín begrüßt seine Besucher heute mit Hip-Hop-Kultur, Souvenirständen und bunten Graffitis. »Todos somos migrantes« ist auf einer Betonmauer am Straßenrand zu lesen, auf Deutsch: »Wir alle sind Migranten«.

»Vor 20 Jahren hätte ich mich nicht hierhin getraut«, sagt Isabel Londoño, 1977 in Medellín geboren. In der Comuna 13 hatten entweder rechte Paramilitärs, linke Guerilleros der FARC »FARC« – das steht für »Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia«, deutsch: Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens. Seit 1964 führte die »FARC« einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat – ursprünglich, um gegen die soziale Ungerechtigkeit vorzugehen. Um ihren Krieg zu finanzieren, entführte die Guerilla Menschen und beteiligte sich am Drogenhandel. Im November 2016 schlossen die kolumbianische Regierung und die »FARC« einen historischen Friedensvertrag. Die »FARC« verpflichtete sich darin, innerhalb von 180 Tagen alle Waffen an Vertreter der Vereinten Nationen abzugeben. Im September 2019 kündigten Teile der »FARC« diesen Friedensvertrag auf.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Markus Harmann 

Markus Harmann hat Politik, Geschichte und Kulturwissenschaft studiert. Danach war er mehrere Jahre hauptberuflich Journalist. Heute leitet er die Pressestelle der Caritas im Erzbistum Köln und schreibt nebenbei Reportagen, die er von seinen privaten Reisen mitbringt.

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