Ist das die Zukunft der Polizei in den USA?

Emada Tingirides ist schwarz und Chefin der Polizei von Los Angeles. Ihr Rezept gegen Polizeigewalt: Die Wachtmeister:innen werden einfach Teil der Gemeinschaft.

17. September 2020  13 Minuten

Letzte Nacht gab es einen Toten. 2 Polizisten erschossen einen Schwarzen. Wieder einmal, diesmal in South Los Angeles. Soweit bekannt ist, lief der 29 Jahre alte Mann vor der Polizei davon, als sie sein Fahrrad kontrollieren wollte; seine rutschende Hose hielt er notdürftig mit den Händen auf den Hüften. Als er beim Davonlaufen einen Packen Kleidung fallen ließ, sahen die Polizisten auch eine Pistole zu Boden gleiten und schossen. Die L.A. Times berichtete über den Vorfall (englisch, 2020) Tödliche Schüsse.

Wie immer heißt es, es müsse erst die langwierige Untersuchung abgewartet werden. Wie immer werden die Polizisten die Schüsse mit der Flucht und der Waffe rechtfertigen. Und wie immer steht die Frage im Raum: Hätte der offensichtlich verwirrte und verängstigte Mann, der seine Waffe nicht in der Hand hielt, sondern schon fallen gelassen hatte, nicht anders aufgehalten werden können?

Der Anwalt des Opfers und die Polizei streiten noch darum, ob die Polizisten mehr oder weniger als 20 Schüsse abfeuerten.

Die Wiege der Gewalt wird zur Quelle des Wandels

Ausgerechnet am Tag danach treffe ich mich mit 2 Polizist:innen in den Nickerson Gardens von Watts, einem Teil von Los Angeles, der mal als die kriminellste Gegend der USA galt. In den 80er- und frühen 90er-Jahren bekriegten sich hier Gangs wie die »Bloods« und die »Crips« mit Drive-by-Shootings und dem Kidnappen von Kleinkindern. Schon die falsche Autofarbe oder die falschen Schnürsenkel (rote für Bloods, blaue für Crips) konnten ein Todesurteil sein.

Heute sind die mehr als 1.000 Sozialwohnungen von Nickerson Gardens das Terrain der »Bounty Hunter Bloods«. Genau hier, zwischen der Turnhalle und dem Parkplatz, fanden früher die tödlichsten Schießereien statt. Zuletzt beschossen sich vor 10 Tagen 2 Jugendliche, und dass es Gangmitglieder waren, lesen die Polizist:innen daran ab, dass sich keine Opfer und keine Zeug:innen gemeldet haben.

Titelbild: Sergeant II Christian Zuniga - copyright

von Michaela Haas 

Michaela Haas wusste schon als Kind, dass sie entweder Reporterin oder Rennfahrerin werden wollte. Als sie mit 16 Jahren anfing, für den Lokalteil der »Süddeutschen Zeitung« zu schreiben, war die Sache entschieden. Sie ist Mitglied des »Solutions Journalism Network« und Autorin einer wöchentlichen Online-Lösungskolumne für das »SZ-Magazin«.

Themen:  Gerechtigkeit   Gesellschaft   USA  

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