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Hunderte Firmen boykottieren gerade Facebook. Können sie den Konzern so »besser« machen?

Werbeeinnahmen bleiben aus, Mitarbeiter:innen protestieren – doch Mark Zuckerberg bleibt hart. Steckt hinter seiner demonstrativen Ruhe ein Deal mit der Politik?

8. Juli 2020  10 Minuten

Facebook-Chef Mark Zuckerberg weiß, wie Ärger riecht und schmeckt. Er hatte schließlich immer mal wieder gehörige Portionen davon. Dennoch wirken die Proteste, denen er jetzt gegenübersteht, auf den ersten Blick besonders unangenehm. Seit einigen Tagen gehen immer mehr Werbekunden von Bord. Sie boykottieren Facebook, indem sie dort keine Anzeigen mehr schalten, mindestens im ganzen Monat Juli, viele aber auch darüber hinaus.

Auch echte Schwergewichte wie der Lebensmittelgigant Unilever, der Pharmakonzern Pfizer oder auch Adidas und VW machen mit. Mehr als 800 Unternehmen sind bereits dabei. Einige davon gehören zu den größten Werbekunden des Social-Media-Konzerns, zu dessen Firmenpalette auch Instagram und Whatsapp gehören. Sie haben sich der Aktion mehrerer US-Bürgerrechtsorganisationen angeschlossen, die auch im Umfeld von »Black Lives Matter« aktiv sind, unter dem Motto Hier findest du die Seite der Boykott-Aktion (englisch) »Stop Hate For Profit«.

Die Unternehmen kritisieren, dass Facebook zu wenig gegen Hasspostings und Gruppen kämpfe, in denen Verschwörungsmythen, oft mit rassistischen Anklängen, diskutiert werden. Außerdem kritisieren sie, dass auf Facebook vor allem hetzerische und negativ aufgeladene Inhalte in den Feeds nach oben gespült werden. Die Redaktion des Daily-Podcasts der New York Times fand heraus, Zum transkribierten »Daily«-Podcast (englisch, 2020) dass sehr oft rechte Medien wie Fox, Breitbart oder Donald Trump selbst die Videohitlisten anführen – liberalere Medieninhalte haben das Nachsehen.

Eine »Black Lives Matter«-Demonstration in Cincinatti. Rund um die Proteste nach dem Mord an George Floyd kochten die Kontroversen um »Facebook« hoch. – Quelle: Julian Wan CC BY

Das solle sich ändern, fordern die Firmen seit Mitte Juni und ziehen Millionenbeträge ab – sie wollen Facebook mit der Geldkeule klarmachen, wie ernst sie es meinen. Aber wie gefährlich ist diese Situation für Facebook und Mark Zuckerberg wirklich? Um die Situation einzuordnen, müssen wir zurückblicken – auf den 29. Mai 2020.

Der Ärger beginnt wieder einmal mit Trump

Damals, 4 Tage nach der Ermordung des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten, toben heftige Proteste in Minneapolis, der Stadt, in der alles passierte. US-Präsident Donald Trump setzt einen Tweet ab, der auch auf Facebook erscheint. In dieser Nachricht heißt es Mehr zur Kontroverse um den Trump-Tweet liest du hier (englisch, 2020) unter anderem: »When the looting starts, the shooting starts«, auf Deutsch: »Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen«. Der Satz liest sich wie eine Ankündigung von Gewalt. Facebooks Konkurrent Twitter markiert den Tweet farblich und mit Text: Er verstoße gegen die Twitter-Regeln, sei aber von öffentlichem Interesse und bleibe daher online.

»Twitter« hat den Tweet von US-Präsident Donald Trump mit einem Hinweis versehen, um zu zeigen, dass er nicht mit den Regeln des Social-Media-Dienstes übereinstimmt. »Facebook« hat den gleichen Text auf seiner Plattform dagegen nicht kommentiert. – Quelle: realDonaldTrump

Facebook weigert sich, den gleichen Post auf seiner Plattform zu markieren oder zu löschen. Etliche Facebook-Mitarbeiter:innen protestieren daraufhin mit einem virtuellen »Walkout« gegen die laxe Haltung der Unternehmensführung: Einen Tag lang legen sie aus Protest ihre Arbeit nieder. Zum Zeitpunkt des »Walkouts« haben die Mitarbeiter:innen von »Facebook« im Homeoffice gearbeitet. Sie sind also nicht tatsächlich aus dem Bürogebäude gegangen, haben aber für einen Tag die Arbeit niedergelegt, um gegen den Umgang mit Donald Trumps »Facebook«-Post zu protestieren. Firmenintern kursieren laut New York Times Petitionen, Mehr zu den Protesten der »Facebook«-Mitarbeiter:innen liest du hier (englisch, 2020) Mitarbeiter:innen kündigen sogar aus Protest. Keine Kleinigkeit in einem Arbeitsmarkt, in dem die Top-Talente rar sind und heftig umworben werden, wie im Silicon Valley.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Benjamin Fuchs 

Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!

Themen:  Demokratie   USA   Internet  

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