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Das progressivste Land der Welt: Was ist dran am Hype um Neuseeland und Jacinda Ardern?

Heute im Podcast gegen die Weltuntergangsstimmung: Wie der Inselstaat neue Maßstäbe in Sachen Feminismus, Krisenmanagement und Wohlfühlwirtschaft setzt.

3. Juli 2020  5 Minuten

Ein Staatshaushalt, der gesellschaftliches Wohlbefinden über Wachstum stellt, vorbildliches Krisenmanagement im Umgang mit Terror sowie Corona und eine feministische Regierungschefin. Für ein Land mit nur 5 Millionen Einwohnern sorgt Neuseeland für viele Schlagzeilen, die meisten davon positiv. Ist Neuseeland wirklich das progressivste Land der Welt? Für diese Folge des vollgut-Podcasts habt ihr uns damit beauftragt, dem Hype nachzuspüren.

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Die koloniale Vergangenheit und ihre Aufarbeitung – ein Vorbild für andere Nationen?

Die Geschichte Neuseelands – oder »Aotearoa«, wie die Insel in der einheimischen Sprache genannt wird – ist auch eine Geschichte der Kolonialisierung. Im 18. Jahrhundert erreichten die ersten britischen Siedler:innen die Pazifikinseln, die heute das Staatsgebiet bilden. Sie fingen Wale und Robben, bedienten sich der natürlichen Ressourcen des Landes und wollten die lokale Bevölkerung missionieren: die Māori. Diese sahen mit Sorge, wie sich die immer zahlreicheren Neuankömmlinge – um 1830 waren es schon einige Hunderte – das Land zu eigen machten und offensichtlich Herrschaftsansprüche anmeldeten. Sie wandten sich an den englischen König, mit der Bitte um Schutz.

Britische Gesandte kehrten mit einem Dokument zurück, das die Unabhängigkeit Neuseelands unter der Herrschaft der Māori erklärte, die den britischen Siedler:innen im Gegenzug in Freundschaft gegenübertreten sollten. Doch eine zweite Version des »Te Tiriti o Waitangi« enthielt Ungenauigkeiten und Fehler in der Übersetzung, die Siedler:innen zu ihrem Vorteil auslegten und sich noch mehr Land aneigneten. In der Folge kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die erst mit dem »Waitangi Tribunal« ab 1975 aufgearbeitet wurden, das nicht nur mit Kompensationen für die Māori, sondern auch mit einer offiziellen Entschuldigung an die indigene Bevölkerung für das begangene Unrecht endete.

So wird die Geschichte jedenfalls in einem Comic erzählt,

- CC0

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Berlin und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.


von Katharina Wiegmann 

Als Politikwissenschaftlerin interessiert sich Katharina dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie fragt sich: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist.

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