PD Daily 

»Wir spüren, dass mit uns im Auto eine neue Gefahr sitzt, unsichtbarer als der Krieg«

Unser Autor lebt im Krieg. Mit seinen sehr persönlichen Einblicken will er Brücken zwischen Deutschland und dem Jemen bauen. Heute fragt er: Was schützt Jemenit:innen vor Corona, wenn sie eigentlich nichts mehr schützt?

30. Juni 2020  5 Minuten

Im Jemen wütet seit über 5 Jahren ein Krieg, der kein Ende zu nehmen scheint. Die Gründe dafür sind komplex. Wer sie verstehen will, sollte das konstruktive Interview mit dem politischen Analysten Farea al-Muslimi lesen. Unterm Strich ist es aber wie in jedem Krieg: Die Zivilbevölkerung leidet am meisten. Nachdem bereits eine Hungersnot und eine Choleraepidemie die Menschen des Landes befiel, breitet sich nun auch das Coronavirus im Jemen aus. Hier findest du die offiziellen Zahlen der »Weltgesundheitsorganisation« (englisch) Über 1.000 Infektionen und mehr als 300 Todesfälle sind offiziell gemeldet. Die Dunkelziffer wird aufgrund der zerstörten medizinischen Infrastruktur wohl nie ans Licht kommen. Ahmed Hezam lebt in diesem Krieg und will mit seinen sehr persönlichen und intimen Beiträgen Brücken bauen. Sie geben Leser:innen wertvolle Einblicke in das Leben der Jemenit:innen. In seinem heutigen Beitrag stellt er die Frage: Was schützt die Menschen im Jemen vor Corona, wenn sie eigentlich nichts mehr schützt?

Jemen, 19. Juni 2020

Heute musste ich früh aufstehen, um noch eines der wenigen Sammeltaxen nach Sanaa zu erwischen. Die jemenitische Hauptstadt ist mit dem Auto 5 Stunden von meinem kleinen Dorf in der Bergregion Ibb entfernt. Auf dem Weg dorthin holen mich jedes Mal zahllose albtraumhafte Bilder ein – eine grauenhafte Sammlung von Kriegserinnerungen. Ich denke an die zerbombten Hühnerfarmen und Tankstellen, die die Jemenit:innen versorgten.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

Weitere Artikel für dich