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Wir alle empfinden Neid. Ist das so schlimm?

Etwas zu wollen, was andere haben, ist menschlich. Wenn wir das anerkennen, kann Neid konstruktive Kraft entfalten.

25. Juni 2020  10 Minuten

»Du bist doch nur neidisch!« – Wie fühlst du dich, wenn dir das jemand vorwirft? Vielleicht ungerecht behandelt, vielleicht schämst du dich ein bisschen, wenn du erkennst, dass dein Gegenüber recht hat. Mit ziemlicher Sicherheit fühlst du dich nicht besonders gut. Denn »Neid« ist ein durch und durch negativ behaftetes Gefühl.

Das negative Image, das Neid anhaftet, zeigt sich schon im Sprachgebrauch: Einzelne werden davon »zerfressen«, ganze Gesellschaften dadurch »zersetzt«.

In der christlichen Religion ist »Neid« sogar eine der 7 Todsünden, Korrekt wäre eigentlich »eine der 7 Hauptsünden« – umgangssprachlich sind diese jedoch als Todsünden bekannt. in unzähligen Krimis und realen Kriminalgeschichten gar der Auslöser für Morde. Schlimmer geht es also kaum.

Dass Neid ein Gefühl mit derart schlechtem Ruf ist, hat Folgen: Wird über soziale Ungleichheit diskutiert und darüber, dass der vermögende Teil der Gesellschaft mehr Steuern zahlen könnte, kommt es nicht selten vor, dass die Diskussion mit dem Label Warum wir eine echte Neiddebatte brauchen, schreibt Chris Vielhaus hier »Neiddebatte« abgewürgt wird. Die Bezeichnung legt nahe: Wer selbst nicht so gut dasteht – etwa finanziell –, will den Bessergestellten etwas wegnehmen. Und zwar einfach, weil er oder sie neidisch ist und den Reichen ihren Erfolg missgönnt – und über ein Gefühl so abgrundschlecht wie Neid muss gar nicht erst diskutiert werden.

Dabei wohnt dem Neid nicht nur zerstörerische Kraft inne, er hat auch viel konstruktives Potenzial. Um das zu erkennen, müssen wir das Gefühl jedoch besser verstehen lernen. 3 Erkenntnisse können dabei helfen:

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Lara Malberger 

Das Netz ist voller Tipps und Ratschläge – und Menschen, die damit ihre Probleme lösen wollen. Doch meistens gibt es nicht »die« eine richtige Lösung. Aber was ist sinnvoll? Und was kann weg? Um so nah wie möglich an eine Antwort heranzukommen, hat Lara Wissenschaftsjournalismus mit Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und Digital Journalism in Hamburg studiert.

Themen:  Gesellschaft   Psychologie  

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