Essay 

Ich bin ein weißer Mann. Jetzt versuche ich zu verstehen, was das heißt

Wo immer ich hinkam, meine Privilegien waren schon da. Ist mein Leben so reibungslos verlaufen, weil ich weiß bin?

24. Juni 2020  10 Minuten

Es gibt Dinge, für die ich etwas länger brauche, um sie zu verstehen. Und für manche noch ein paar Jahre mehr. In diesem Fall geht es um eine Erkenntnis, die zuerst banal klingt. Mit 17 Jahren habe ich zum ersten Mal verstanden, dass ich weiß Laut Online-Glossar von Amnesty International Deutschland beziehen sich die Begriffe ›Weiß‹ oder ›Weißsein‹ nicht auf eine biologische Eigenschaft, sondern auf eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist im Bereich des akademischen ›kritischen Weißseins‹ die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst meist unbenannt bleibt. bin. Nicht bloß in dem Sinne, dass ich weiße Haut habe, sondern, dass in dem Paket mit der Aufschrift »Benjamin« ein paar Dinge mehr mitgeliefert werden als an andere Adressaten.

Ich hatte das Glück, ein Austauschjahr in St. Lucia verbringen zu können. Das ist eine kleine Insel in der östlichen Karibik, ganz in der Nähe von Barbados und Martinique. 85% der Bevölkerung sind Schwarz, »Der Begriff wird in jedem Kontext mit großem ›S‹ geschrieben. Dadurch soll sichtbar gemacht werden, dass es sich nicht um das Adjektiv ›schwarz‹ handelt und sich somit auch nicht auf die Farbe bezieht, sondern um eine politische Selbstbezeichnung. Der Begriff ist der Versuch auszudrücken, welche sozialen Gemeinsamkeiten aus dem Konstrukt Rassismus entstanden sind. Es geht also in erster Linie um Erfahrungen und in keiner Weise um biologische Gemeinsamkeiten.« Aus: »Exit Racism« von Tupoka Ogette

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Benjamin Fuchs 

Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!

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