Interview 

Warum Gefängnisse niemandem nutzen

Thomas Galli hat 15 Jahre lang im Strafvollzug gearbeitet und selbst Gefängnisse geleitet. Heute will er sie abschaffen – und macht Vorschläge für ein gerechteres Justizsystem.

17. Juni 2020  15 Minuten

Strafe muss sein, klar. Ohne Regeln funktioniert das Zusammenleben nicht. Wenn Gesetze gebrochen werden, muss das Konsequenzen haben. Doch schon an dieser Stelle wird es kompliziert. Welche Strafe ist angemessen? Und was soll sie erreichen?

Als Gesellschaft haben wir diese Fragen weitgehend ausgelagert, an das Justizsystem und den Strafvollzug. Die ultimative Antwort des Staates auf Grenzüberschreitungen lautet: Gefängnis. Zahlen zu Strafgefangenen in Deutschland gibt es beim »Statistischen Bundesamt« (Stand: Oktober 2019) Rund 51.000 Menschen saßen im Jahr 2018 in Deutschland für die unterschiedlichsten Vergehen hinter Gittern.

Eine Kriminalstrafe bedeutet, mit absichtlicher Übelzufügung durch staatliche Organe auf kriminelle Taten zu reagieren. Einen Überblicksartikel zum staatlichen Strafen findest du bei der »Bundeszentrale für politische Bildung« (2018) Heribert Ostendorf: »Vom Sinn und Zweck des Strafens«

Thomas Galli kennt sich mit Gefängnissen aus. Er hat 15 Jahre seines Lebens im Strafvollzug gearbeitet, davon mehrere Jahre als Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Zeithain in Sachsen. Als ihn eine Reporterin vor seiner Anstalt einmal fragte, was er mit den knapp 400 Gefangenen machen würde, wenn es nach ihm ginge, antwortete er: »Ich würde alle freilassen«. Kurze Zeit später kündigte er. In

Titelbild: Ronald Hansch - copyright

von Katharina Wiegmann 

Als Politikwissenschaftlerin interessiert sich Katharina dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie fragt sich: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist.

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