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Wer ist schuld an Lebensmitteln zu Schleuderpreisen – du oder dein Supermarkt?

Unser Essen ist zu billig. Doch wer könnte wirklich für faire Preise für alle sorgen? Eine Spurensuche.

27. Mai 2020  12 Minuten

Kompromisslos frisch, qualitativ hochwertig – und gnadenlos günstig. So sind sie alle, die Lebensmittel in deutschen Supermärkten und Discountern.

Jedenfalls dann, wenn man der Werbung Glauben schenken mag: Immer neue Angebote versprechen Schnäppchen, die für die einen unverzichtbar sind, um den Geldbeutel zu schonen, Was die Werbeflut im Briefkasten aufhalten kann, erklärt Anne Herr für die anderen aber wie ein Gruselkabinett der Schleuderpreise wirken.

Oder auch ein Suppenhuhn für einen Euro – die WAZ berichtet über ein Angebot von »Edeka« (2018) Brathähnchen für 2,22 Euro, ein Liter Milch für 79 Cent und ein 2-Kilogramm-Sack Äpfel für 1,11 Euro. »Wie soll das funktionieren?«, fragte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei öffentlichen Auftritten Anfang des Jahres immer wieder.

Damit dreht Klöckner munter mit an dem Karussel aus gegenseitigen Schuldzuweisungen, das sich seit Jahren dreht und so jede Lösung für die Probleme auf dem deutschen Lebensmittelmarkt verhindert – und die Krise so zum Dauerzustand macht.

Kurz zusammengefasst läuft das Spiel so: Die Landwirt:innen protestieren gegen den Preisdruck der Handelsriesen. Diese wiederum pochen auf die Wichtigkeit niedriger Preise für die Verbraucher:innen und schieben die Verantwortung auf »König Kunde«. Nach dem Motto: Wir Kund:innen wollten es ja so und müssten für einen Wandel nur selbst dazu bereit sein, mehr zu zahlen. Und dann wäre da noch »die Politik«, die sich aus der Affäre zieht, indem sie sich, um ja nicht in den »freien« Markt einzugreifen, auf fromme Appelle beschränkt.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Konsum   Essen  

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