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Wie die extreme Rechte die Coronakrise für sich nutzen will

Wie instrumentalisiert man einen Ausnahmezustand? Während Corona war es lange still von rechtsaußen. Doch jetzt kristallisieren sich 4 Narrative heraus, die du kennen solltest.

11. Mai 2020  11 Minuten

Die Coronakrise hat uns alle aus unserer vermeintlich stabilen Normalität gerissen: Es herrscht ein Ausnahmezustand, Die Bundeswehr hilft etwa bei der Bereitstellung von Unterbringungsmöglichkeiten (2020) das Militär wird aktiviert, Brasiliens WM-Stadien werden zu Lazaretten umfunktioniert (2020) Notlazarette entstehen in Städten – gerade in den ersten Wochen zeigte diese Krise viele Elemente eines Katastrophenfilms.

Eigentlich ein Szenario, das Rechtsextremen gefallen sollte. So sind doch Katastrophen- sowie Untergangsrhetorik und der Ausnahmezustand ihr Metier. Doch stattdessen schien es die letzten Wochen ungewöhnlich ruhig um all jene, die sonst Angst vor Geflüchteten und Einwanderung schüren. Und auch Anhänger:innen der politischen Arme der extremen Rechten scheinen sich abzuwenden: Ein Überblick über aktuelle Wahlumfragen und die »Sonntagsfrage« (2020) Die AfD stürzt in einer aktuellen Umfrage auf den niedrigsten Wert seit der Bundestagswahl. Auch andernorts schwindet die Zustimmung für Rechtspopulist:innen wie den 64% der Brasilianer:innen sprechen Bolsonaro die Fähigkeit ab, die Krise zu managen. »Valor« berichtet (portugiesisch, 2020) brasilianischen Präsidenten Bolsonaro.

Rassismus getarnt als Chinakritik

Quer durch alle Lager des Rechtsextremismus wird eine gehörige Portion antichinesischer bzw. antiasiatischer Rassismus hineingemischt. Dabei geht es nicht um legitime Kritik an der autoritären chinesischen Regierung, sondern China und (vermeintliche) Chines:innen werden synonym mit dem Virus gesetzt. Das zeigt sich auch in Wendungen wie »Chinavirus« oder »Wuhanvirus«. Auf höchster Ebene macht das der amerikanische Präsident vor, auch aus wahltaktischen Überlegungen.

Der aktuelle Ausnahmezustand – so viel lässt sich festhalten – gefällt Rechtsextremen durch die Bank ganz und gar nicht. Und Grund dafür sind keine humanistischen oder solidarischen Motivationen wie die Sorge um das Wohlergehen der Mitmenschen. Ihre Vordenker:innen ringen schlichtweg noch um eine narrative Deutung der Pandemie für die eigene Sache.

Dabei haben sie bisher 4 Narrative gefunden, die uns in den kommenden Monaten von rechtsaußen verstärkt begegnen werden. Gut, diese und ihre Vordenker:innen schon heute zu kennen.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Natascha Strobl 

Natascha Strobl ist eine österreichische Politikwissenschaftlerin und Skandinavistin, die den Rechtsextremismus in Europa beobachtet. Sie ist Mitautorin eines Fachbuchs über Strategien und Ziele der Identitären Bewegung in Europa. Auf Twitter analysiert sie unter dem Hashtag #NatsAnalyse regelmäßig menschenfeindliche Narrative und kommentiert aktuelle politische Debatten.

Themen:  Gesellschaft   Demokratie   Populismus  

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