Kommentar 

Corona zeigt einmal mehr: Putin ist ein genialer Stratege

Gerade wollte sich Russlands Präsident die Macht bis 2036 sichern – und dazu auch das Volk befragen. Doch dann kam die Krise.

17. April 2020  4 Minuten

In Zeiten der Pandemie müssen Staaten ganz neu geführt werden. Ganze Gesellschaften werden unter Quarantäne gestellt, Wirtschaften geraten ins Wanken.

Und dennoch, überall auf der Welt gibt es sie, die Gewinner. Unter diesen Glücklichen ist auch der russische Präsident Wladimir Putin.

Gutes Timing ist alles

Mitte März, kurz bevor das Coronavirus auch in den russischen Nachrichten und sozialen Netzwerken zum wichtigsten Thema wurde, wuchs unter Russlands Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Macht. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada Das »Lewada«-Zentrum ist Russlands einziges unabhängiges Meinungsforschungsinstitut. Die Umfrage wurde am 19.–25. März 2020 durchgeführt, 1.624 Menschen aus 50 Regionen Russland wurden befragt. Hier ist der Link zur aktuellen Umfrage (russisch). wollen nur noch 46% der Befragten, dass Putin im Jahr 2024 noch einmal zur Wahl antritt. Putin ist mittlerweile in seiner vierten Amtsperiode als russischer Staatspräsident, seit er 2000 das erste Mal gewählt wurde – jedoch mit kurzer Unterbrechung: Zwischen 2008 und 2012 war er unter Staatspräsident Dmitri Medwedew Ministerpräsident des Landes.

Im Juli 2019 hatte der Präsident noch wesentlich mehr Unterstützer – damals wünschten sich 54% einen Wiederantritt.

Und es gibt noch eine interessante Zahl: Nur noch jeder Sechste meint, Putin kümmere sich um das Volk.

Es ist anzunehmen, dass der Regierung diese Zahlen vorliegen. Deshalb können alle politischen Handlungen der letzten Zeit auch als Handlungen unter Berücksichtigung dieser Zahlen gewertet werden: zum Beispiel die Verschiebung der für den 22. April vorgesehenen Abstimmung für oder gegen Verfassungsänderungen –

Titelbild: picture alliance / AP Photo / Alexei Druzhinin - copyright

von Veronika Prokhorova 

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. An der TU Dortmund hat sie ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

Themen:  Osteuropa   Demokratie  

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