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Klimanotstand: Warum unsere Demokratie versagt hat

Du kannst nichts für den Klimawandel, sagt Graeme Maxton. Wer wirklich Schuld an der Krise hat und was wir jetzt tun müssen? Das liest du in diesem exklusiven Auszug aus seinem neuen Buch, das in Zusammenarbeit mit Perspective Daily entstanden ist.

6. April 2020  11 Minuten

Stellen Sie sich einen See vor, in dem jeder Fische fangen darf. Wenn jeder nur so viel fängt, wie er zum Leben braucht, kann der See alle ernähren. Stellen Sie sich nun vor, dass manche mehr fangen, als sie selbst benötigen, und diese Fische anderswo verkaufen. Diese Menschen werden reich, aber ihr Handeln verursacht Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Andere Menschen werden wütend und neidisch, die sozialen Spannungen steigen. Wenn die Gierigen zu viel Fisch aus dem See holen, brechen die Fischbestände zusammen. Der Egoismus einer Minderheit zerstört damit das »gemeine Wohl«, also das Wohl aller.

Dies ist ein Beispiel für das Allmende-Dilemma.

Der Klimawandel ist das derzeit gravierendste Beispiel dieser Tragödie. Das »gemeine Wohl« der Erdatmosphäre wird von einer kleinen und gierigen Minderheit zerstört, die beschlossen hat, die Kohle-, Öl- und Gasreserven der Welt zu verfeuern, die Regenwälder zu vernichten und umweltschädigende Landwirtschaft zu betreiben.

Die überwältigende Mehrheit jener, die darunter leiden – und die in den kommenden Jahrzehnten am meisten darunter leiden werden –, sind nicht diejenigen, die direkt für den Klimawandel verantwortlich sind.

Sie haben dieses Problem nicht verursacht, Sie können es nicht lösen

Ich habe einen deutschen Freund, der zum Pariser IPCC-Bericht von 2015 beigetragen hat. Eines Tages, bei einem gemeinsamen Mittagessen im Stadtzentrum von Singapur, schockierte er mich mit den Worten: »Eigentlich müsste man als logische Reaktion auf den Klimawandel einen SUV kaufen und häufiger in exotischen Gegenden Urlaub machen. Wenn Menschen das Gegenteil tun – wenn sie versuchen, nachhaltig zu leben –, ändern sie überhaupt nichts. Sollen sie doch besser das Leben genießen, das Ergebnis wird so oder so dasselbe sein.«

Mein Freund hat das zwar sarkastisch gemeint, er hatte aber auch vollkommen recht. Wenn ich Vorträge halte, ist genau das für die meisten am schwierigsten zu verstehen. Viele wollen wissen, was sie tun können, um die Umweltprobleme der Welt zu lösen, und die meisten haben bereits eigene Vorstellungen dazu. Sie wollen von mir hören, dass sie mehr recyceln, nicht mehr fliegen und weniger Fleisch essen sollen. Sie wollen helfen, klar. Die Sache ist jedoch die, dass sie sich von der neoliberalen Vorstellung der Lenkung durch den Markt vereinnahmen haben lassen und nun glauben, dass sie persönlich durch eine nachhaltigere Lebensweise etwas bewirken können. Sie haben die Logik geschluckt, dass sich die Situation verändern wird, wenn jeder nachhaltiger zu leben versucht. Bei genauerer Betrachtung ist dies aber ganz und gar nicht logisch.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Graeme Maxton 

Graeme Maxton war bis Mai 2018 Generalsekretär des »Club of Rome«, einer Organisation mit Fachleuten aus mehr als 30 Ländern, die sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt. Er ist Co-Autor des Bestsellers »Ein Prozent ist genug« und Autor des Buches »Change«. Sein neuestes Buch »Globaler Klimanotstand« erschien 2020 in Zusammenarbeit mit Perspective Daily.

Graeme Maxton was the Secretary General of the Club of Rome until May 2018, a global network of renowned independent thinkers dedicated to addressing the challenges facing humanity. Graeme Maxton and Jorgen Randers are the authors of »Reinventing Prosperity«, published by Greystone, October 2016, and »Ein Prozent ist genug«, published by oekom. He is also the author of »Change«. His latest book »Globaler Klimanotstand« was released in 2020.

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