8 Bücher, die uns einen Weg in die Zukunft weisen

Buchmessen und Lesungen finden aktuell nicht statt. Trotzdem beginnt gerade die beste Zeit zum Lesen. Wir haben für dich diese Bücher entdeckt, die uns jetzt Mut machen.

18. März 2020  13 Minuten

Immer wenn der Frühling kommt, blüht die Welt auf und wir mit ihr. Und jeder Frühling hat traditionell eine ganze Reihe neuer Bücher im Gepäck, die uns frische Gedanken bringen, wenn wir damit im Park oder im Café sitzen.

Doch dieser Bücherfrühling ist anders. Die Coronapandemie Warum soziale Distanz jetzt genau die richtige Reaktion ist, kannst du noch mal in diesem Text von Tomas Pueyo nachlesen hat das öffentliche Leben mehr oder weniger zum Erliegen gebracht. Die großen Literaturfestivals, die jetzt stattfinden sollten, die Lit Cologne und die Leipziger Buchmesse, mussten abgesagt werden.

Das ist traurig, aber kein Grund, die ganze Zeit, die wir jetzt zu Hause verbringen müssen, mit Netflix und Mediatheken zu verbringen. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen geben kluge Bücher Orientierung und Halt. Wir möchten euch einige neue Bücher vorstellen, die uns zum Nachdenken gebracht haben und unseren Blick für eine Zukunft nach dem Virus weiten.

Ein Buch, das jetzt Mut macht

von Chris Vielhaus

»Der Mensch ist dem Menschen Wolf«, war sich der Philosoph und Staatstheoretiker Thomas Hobbes sicher. Ohne die Ordnungsmacht der modernen Zivilisation seien wir Menschen nichts als von Trieben gesteuerte Wilde, die gegen jeden ihrer Mitmenschen kämpfen würden, solange es für sie selbst von Vorteil ist.

Der niederländische Historiker und Journalist Rutger Bregman tritt diesem Menschenbild, das Hobbes vor über 300 Jahren geprägt hat, entschieden entgegen. Er ist sicher, dass wir Im Grunde gut sind: In seinem Buch mit diesem Titel zeichnet er das Bild von Menschen, die sich in Krisenzeiten eben nicht bei der erstbesten Gelegenheit an die Gurgel gehen.

Quelle: rowohlt copyright

Ganz im Gegenteil: Bregman bringt Beispiel um Beispiel aus unserer Geschichte, die zeigen, dass schwere Zeiten in Weltkriegen und Umweltkatastrophen eher das Beste in uns zum Vorschein bringen. Wie sehr sein Buch damit in unsere aktuelle Weltlage rund um die Covid-19-Pandemie passt, konnte Bregman während der Arbeit daran kaum ahnen. Umso mehr Hoffnung bietet sein Werk in Zeiten von Quarantäne, Grenzschließungen und Hamsterkäufen.

Hier kannst du dir Bregmans Aussage im Original ansehen (englisch, 2020) Bregman kommentierte die Situation jüngst so:

Denkt daran: Auf jeden antisozialen Trottel da draußen kommen tausende Ärzt:innen, Reinigungskräfte und Krankenpfleger:innen, die rund um die Uhr arbeiten. Auf jeden panischen Hamsterkäufer kommen 10.000 Menschen, die ihr Bestes dafür geben, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet. – Rutger Bregman, Journalist

Passend dazu seziert er in seinem Buch minutiös das Bild vom egoistischen »Homo oeconomicus«, Der Begriff »Homo oeconomicus« kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt »Wirtschaftsmensch«. Damit wird jemand bezeichnet, der allein nach ökonomischen Gesichtspunkten denkt und handelt. Dabei ist sein Verhalten stets rational. Sein Ziel ist immer die Maximierung des Nutzens und des Gewinns. um daraufhin systematisch ein optimistischeres Menschenbild zu zeichnen. An das Gute im Menschen zu glauben, wird dabei umso leichter, je mehr Bregman uns mit der Nase auf unser eigenes reflexhaft negatives Menschenbild stößt.

Um aus der aktuellen Pandemie also etwas Positives zu ziehen, braucht es die Lektüre dieses Buchs – und im Anschluss dazu Hier siehst du das Balkonkonzert in voller Länge (2020) das Video solidarischer Italiener:innen , die aus der Quarantäne heraus von ihren Balkonen gemeinsam singen, um sich daran zu erinnern: »Andrà tutto bene« – alles wird gut.

  • Rutger Bregman – Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit. Rowohlt, 24 Euro

Schluss mit dem ewigen Wachstum!

von Lara Malberger

Der Wert der Natur lässt sich ganz einfach in Geld umrechen und die Wirtschaft hat Wachstum als wichtigstes Ziel zu verfolgen? Die deutsche Politökonomin Maja Göpel erklärt in ihrem neuen Buch Unsere Welt neu denken, wie die Ökonomie die Welt sieht – und warum sich diese Sichtweise dringend ändern muss.

Da wäre zum Beispiel die beliebte Idee von Ökonom:innen, den Kollaps der Erde mithilfe technologischen Fortschritts zu verhindern – Wie wir einen Kollaps der Erde verhindern können, schreibt Felix Austen hier und zwar ganz ohne auf eine Steigerung des Wohlstands zu verzichten.

Quelle: ullstein buchverlage copyright

Klingt erst mal nicht schlecht, doch Göpel erklärt einleuchtend, warum das nicht funktionieren kann. Unter anderem am Beispiel der Dampfmaschine: Anfang des 19. Jahrhunderts hatte James Watts sie so verbessert, dass sie eigentlich 2/3 weniger Kohle für die gleiche Leistung gebraucht und damit Ressourcen eingespart hätte. In der Folge ging der Kohleverbrauch allerdings nicht wie erwartet zurück, sondern stieg an. Weil das sparsame System für den Einzelnen günstiger geworden war, wurde es auch häufiger eingesetzt.

Und genau dieser Mechanismus lässt sich bis heute im gesamten Wirtschaftssystem erkennen. So verbraucht es aktuell zwar so wenig Energie, Material und CO2 wie nie, um eine Einheit Bruttoinlandsprodukt zu erzeugen – trotzdem nutzen wir diese Entwicklung bisher nur, Warum wir uns vom Wachstumszwang verabschieden sollten, liest du bei Leonie Sontheimer um noch mehr Gewinne zu generieren.

Dabei ließe sich dieser Fortschritt auch einsetzen, um die Überausbeutung von Mensch und Natur zu verhindern. »Dafür müssen wir unser Fortschrittsideal nur konsequent an diesen Zielen ausrichten – Hier schreiben Wissenschaftler:innen, warum es Zeit ist, die Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum zu beenden und nicht primär an der Geldvermehrung«, schreibt Göpel. Mit Beispielen wie diesen fordert sie bestehende Denkweisen der Ökonomie heraus und damit auch die radikale und logische Konsequenz: Wachstum kann nicht das Maß aller Dinge bleiben.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von PD Team 

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