PD Daily 

Dein Smartphone ist eine Virenschleuder. Und diese Oberflächen auch

Das wissen wir darüber, wie sich das Coronavirus über Oberflächen verbreitet. Und so schützt du dich.

17. März 2020  3 Minuten

»Auf Distanz bleiben und nicht Händeschütteln«, das raten unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Bundesregierung als Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie. Doch nicht nur der direkte Kontakt mit Menschen kann derzeit ein Risiko darstellen, sondern auch die Gegenstände, die wir gewohnt sind, täglich zu benutzen – zum Beispiel unsere Computer oder das Smartphone.

Anstatt Nudeln und Klopapier zu horten, Diese Produkte waren zeitweise in Deutschland in einzelnen Supermärkten durch Hamsterkäufe ausverkauft oder sehr stark nachgefragt. Ein anhaltender Lieferengpass bestehe aktuell aber nicht und ist auch nicht zu erwarten, versichern Sprecher von Supermarktketten wie Aldi, Rewe, Lidl oder Kaufland. wäre es jetzt eher sinnvoll, einen längst überfälligen Crashkurs in Sachen Hygiene und Prävention von Krankheiten zu machen. Denn so kann jeder besser mithelfen, das Coronavirus zu bekämpfen – und andere Krankheiten gleich mit.

Das wissen wir darüber, wie sich das Coronavirus verbreitet

Obacht, aber keine Panik

Während einer Infektionswelle ist es sinnvoll, verstärkt über mögliche Infektionswege nachzudenken. Doch auch Vorsicht kann zu weit gehen, weshalb es wichtig ist, das eigene Verhalten zu beobachten und auch immer wieder zu hinterfragen. So gibt es zum Beispiel das Krankheitsbild der »Mysophobie«, der krankhaften Angst vor Bakterien und Viren. Betroffene desinfizieren sich etwa nach jedem Kontakt mit Objekten oder Personen exzessiv die Hände. Und das ist auch aktuell nicht nötig!

Das Coronavirus, das die Krankheit Covid-19 verursacht, ist noch relativ neu und trotz intensiver Bemühungen wird die Wissenschaft noch Jahre brauchen, es vollständig zu erforschen. Die gute Nachricht: Die Forschung hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sich verwandte Viren verbreiten. Hier sind 4 schlüssige Antworten auf die wichtigsten Fragen:

  1. Wie genau wird das Coronavirus übertragen? Nach Stand der Forschung überträgt sich das Coronavirus über die »Tröpfcheninfektion«. Dabei nutzt das Virus menschliches Sekret, wie zum Beispiel Speichel, als Transportmittel. Tröpfchen werden von erkrankten Menschen etwa beim Niesen und Husten ausgeworfen und legen bis zu 1,5 Meter zurück (deshalb sollte jeder den Abstand in der Öffentlichkeit einhalten). Was wir derzeit über das Coronavirus wissen, fasst die WHO zusammen Wenn die Erreger so durch Mund oder Nase in die Schleimhäute des oberen Atemkanals geraten, kommt es zur Infektion.
  2. Überleben Tröpfchen mit den Viren auch auf Oberflächen? Ja. Das konnten Ein Paper zur Übertragbarkeit des Coronavirus per Oberflächenkontakt (englisch, 2020) Forscher aus Singapur nun belegen und auch, dass sie grundsätzlich über Oberflächen anstecken können. Das US-Gesundheitsinstitut NIH fand heraus, dass sich das Coronavirus dabei sehr ähnlich zu seinem artverwandten SARS-CoV verhält und sich bis zu 78 Stunden auf Oberflächen halten kann. Dabei kommt es aber auch sehr auf das Material an: Die Untersuchung des NIH zur Nachweisbarkeit des Coronavirus auf Oberflächen (englisch, 2020, PDF) Kupfer (4 Stunden), Papier/Holz (24 Stunden) oder Plastik (bis zu 3 Tage). Untersuchungen von SARS-CoV legen nahe, dass auch die Temperatur eine wichtige Rolle dabei spielt: Ein Übersichtspaper des »Journal of Hospital Infection« zur Coronavirenübertragung (englisch, 2020, PDF) Bei über 30 Grad Celsius sinkt die Dauer, bei Temperaturen um 5 Grad Celsius steigt sie.
  3. Wie wahrscheinlich ist es, das Coronavirus von Oberflächen aufzunehmen? Auch wenn das Coronavirus auf Oberflächen nachgewiesen werden kann, heißt das noch nicht, dass es sich auch überträgt. Die bisherigen Studien, da sind sich Virologen einig, lassen sich nicht so leicht auf die normalen Lebensumstände übertragen. Wie groß die Konzentration von Coronaviren auf einer Oberfläche sein muss, damit sie ein Risiko darstellt, ist aktuell noch völlig unklar. Forscher verweisen auf den Übertragungsweg der Grippeviren (Influenza A): Ein Paper zu den Übertragungswegen von Influenza A auf Oberflächen und Haut (englisch, 1982) Ein Kontakt von 5 Sekunden mit einer von Tröpfchen kontaminierten Oberfläche überträgt 32% der Viren auf die Fingerhaut, wo sie dann mehrere Minuten überleben und weiter zu Nase oder Mund transportiert werden können.

    Studien zeigen, dass Menschen etwa 23-mal pro Stunde das eigene Gesicht anfassen, davon rund die Hälfte Nase und Mund. Ein Paper zu den Gewohnheiten, das eigene Gesicht anzufassen (englisch, 2015)

  4. Wo besteht das größte Ansteckungsrisiko? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass das Ansteckungsrisiko vor allem in Wohngemeinschaften groß ist. Auch in China fand ein Großteil der Übertragungen in der Familie statt! Da das Coronavirus bis zu 14 Tage bis zum Ausbruch der Krankheit Covid-19 braucht und Familien- und WG-Mitglieder wahrscheinlich auch ohne Symptome Überträger sein könnten, ist eine gute Hygiene Bruce Aylward spricht für die WHO über das Coronavirus (englisch, 2020) daheim ein wichtiger Schutz. Auch wichtig: in den Ellbogen niesen und husten – denn die Ansteckung über direktes Anhusten oder Anniesen ist weitaus wahrscheinlicher als die über Oberflächen!

Schützen Gesichtsmasken gegen das Virus?

Etwas. Das durchlässige Material herkömmlicher Gesichtsmasken lässt kleinste Partikel passieren, die möglicherweise auch das Virus übertragen können. Außerdem schließen die meisten Masken nicht vollständig am Rand. Dennoch halten sie größere Tröpfchen auf und verringern damit das Ansteckungsrisiko etwas – vor allem, wenn man selbst das Virus hat und die Maske trägt oder in engem Kontakt mit kranken Menschen ist. In anderen Fällen ist das Kaufen oder Horten von Masken unnötig, betont die US-amerikanische Seuchenbehörde CDC.

Wann hast du eigentlich das letzte Mal dein Smartphone geputzt?

Auch wenn eine Ansteckung über Flächen beim Coronavirus im Vergleich zur direkten Tröpfcheninfektion laut CDC und WHO geringer sein dürfte, ist sie vorhanden. Alexander Kekulé, neben Christian Drosten einer der derzeit wichtigsten Virologen in Deutschland, rät deshalb zu persönlichen Schutzmaßnahmen. Die Website von Dr. Alexander Kekulé, der über das Coronavirus aufklärt (2020) »Betrachte öffentliche Innenbereiche als kontaminiert«, schreibt er auf seiner Website als Faustregel für die kommenden Tage und Wochen. »Das Virus kann im geschlossenen öffentlichen Raum auf praktisch jeder Oberfläche vorhanden sein.«

Besonders häufig dürfte das Virus auf Gegenständen vorkommen, die wir regelmäßig berühren: also Toilettensitze, Lenkräder, Tastaturen, Computermäuse oder Türgriffe. Alexander Kekulé betont auch die Möglichkeit, dass äußere Kleidung (wie Mäntel) und sogar unsere Haare das Virus mit sich tragen können. Und zwar dann, wenn wir mit ihnen in der Öffentlichkeit kontaminierte Oberflächen berühren oder uns nahe von infizierten Menschen aufhalten, die husten oder niesen.

Doch ein Gegenstand hat ein besonders hohes Risiko, die Viren zu verteilen, denn wir haben ihn täglich dabei, halten ihn in die Nähe von unserem Mund, lassen ihn offen liegen und geben ihn sogar anderen in die Hand – unser Smartphone.

Der durchschnittliche deutsche Smartphonebesitzer Studienleiter Alexander Markowetz der »Menthal«-Studie der Universität Bonn interpretiert in seinem Buch die Ergebnisse (2015) aktiviert seinen Touchscreen 53-mal pro Tag – reichlich Chancen für Krankheitserreger aller Art, Hier diskutiere ich, ob unser Umgang mit den Smartphones wirklich so »smart« ist und was wir ändern sollten auf die Finger und dann in Mund und Nase zu gelangen. Und dass Smartphones alles andere als sauber sind, zeigte schon eine US-Studie aus dem Jahr 2017: Die Studie zu Smartphone-Sauberkeit und Mikrobiomen (englisch, 2017) Sie fand in Stichproben krankheitserregende Keime auf vielen Displays.

Die Lösung ist naheliegend: Putzen – und zwar regelmäßig und mit den richtigen Mitteln. Das hat sogar Apple verstanden und vergangene Woche seine Reinigungsrichtlinien für iPhones und iPads verändert – »Apples« neue Reinigungsrichtlinien (2020) der Konzern empfiehlt nun zum ersten Mal, Reinigungsmittel zu verwenden.

Und so geht es richtig:

  • Wie oft? Wann immer du dein Smartphone jemand anderem in die Hand gegeben hast, solltest du es danach reinigen. Ansonsten dürfte einmal pro Tag die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung über das Smartphone schon deutlich reduzieren. Am besten immer zur selben Zeit, Wie wir schlechte Gewohnheiten brechen und neue gute Gewohnheiten etablieren, erklärt unsere Gründerin Maren Urner so kann sich eine neue Gewohnheit etablieren, die auch nach der Coronavirus-Pandemie anhält und schützt.
  • Welches Reinigungsmittel? Es braucht kein antivirales Desinfektionsspray oder UV-Sterilisatoren. »WIRED« klärt über Mythen über den Coronavirus auf (englisch, 2020) Reinigungsmittel mit etwa 70% Alkohol wirken gut gegen das Coronavirus – herkömmliche Glasreiniger deutlich weniger. Auch wichtig: Das Smartphone sollte dabei zur Sicherheit nicht an einem Ladekabel hängen.
  • Welches Tuch? Smartphone-Displays sind anfällig für Kratzer. Papiertücher oder Spülschwämme sind daher keine gute Idee. Gut funktionieren laut Apple Mikrofasertücher. Wichtig dabei: Nicht nur das Display, sondern auch die Hülle reinigen und darauf achten, dass das Reinigungsmittel nicht in Öffnungen gelangt.

Hier findest du die beiden anderen aktuellen Dailies:

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Gesundheit   Technik   Urbanes Leben  

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