Reportage 

Er baut auf einem Friedhof Oliven an. Und die sind köstlich

Warum Olivenöl aus Palästina von besonderer Qualität ist, hat auch mit dem Nahostkonflikt zu tun. Leider wirst du es hier in keinem Supermarkt finden.

6. Januar 2020  11 Minuten

»Kennst du die biblische Geschichte von Noah?«

Das fragt mich Fariz Yousef, als ich ihn Mitte Oktober in seinem Restaurant in Hamburg-Eimsbüttel besuche. Draußen herrscht bereits Novemberstimmung; Grau ist die alles bestimmende Farbe. Hier drinnen hingegen schaffen das dunkle Holz und die bunten Kacheln eine behagliche Stimmung.

Noah wollte wissen, wann er wieder von seiner Arche an Land gehen kann und wann es endlich aufhört, zu regnen. Irgendwann hat er also eine Taube losfliegen lassen und dann kam sie mit einem Olivenzweig im Schnabel zurück. So wusste er, dass Land in Sicht ist. – Fariz Yousef, Inhaber des »Azeitona«

Hier findest du die entsprechende Bibelstelle Deshalb, erklärt mir Fariz Yousef, sei der Ölbaum in seinem Land ein Symbol der Hoffnung – der Hoffnung auf Land und auf Frieden.

Diesen Frieden hätte die Region, in der Fariz Yousef aufgewachsen ist, bitter nötig. Denn er ist gebürtiger Palästinenser und seit Kindertagen mit dem israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt konfrontiert. Geografisch erstreckt sich das Gebiet auf rund 5.800 Quadratkilometern, die zwischen Israel und Jordanien liegen. Das Westjordanland, Ostjerusalem und der Gazastreifen sind jene palästinensischen Gebiete, die im Sechstagekrieg im Juni 1967 von Israel besetzt wurden. Das Westjordanland ist seit dem Osloer Abkommen aus dem Jahr 1993 unterteilt in verschiedene Zonen. Zone A und B machen jeweils einen Anteil von rund 20% aus, während Zone C rund 60% umfasst. Dabei steht Zone A komplett unter Kontrolle der palästinensischen Autonomiebehörde; in B teilen sich beide Mächte die Befugnisse. Zone C wird von der israelischen Militärbehörde verwaltet und gehört nach israelischem Verständnis zum israelischen Staatsgebiet. In verschiedenen völkerrechtlich bindenden Resolutionen hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Ende dieser Besatzung gefordert.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Fabian Lehmann 

Fabian bezeichnet sich selbst als Kulturwissenschaftler. Nicht nur wegen seines Studiums, sondern auch weil er Dinge miteinander in Beziehung setzt, die auf den ersten Blick nicht direkt in Verbindung stehen. Er erklärt zum Beispiel, was Richard Wagner und den afrikanischen Kontinent vereint. Als freier Journalist berichtet er vom Kulturleben vor der eigenen Haustür und auf Reisen.

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

Weitere Artikel für dich